Manaf Alkateeb* aus Syrien hat es endlich geschafft. Mit der erfolgreichen Anerkennung als „staatlich anerkannte Erzieherin für den Teilbereich Hort“ darf sie mit Kindern arbeiten – der Weg dahin war lang.


 

Manaf Alkateeb geht lächelnd zwischen den Tischen einer zweiten Klasse entlang und gibt Unterstützung bei den Hausaufgaben. Danach möchte sie gemeinsam mit den Schüler*innen Laternen basteln. Manaf Alkateeb arbeitet als Hortnerin und ist froh, endlich wieder pädagogisch mit Kindern arbeiten zu können. In ihrem Heimatland Syrien hat sie ein Studium zur Klassenlehrerin absolviert und über 17 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet. Nach ihrer Flucht nach Deutschland hieß es noch einmal neu zu starten.

 

Das Ziel ist die Arbeit mit Kindern

Schon früh erfuhr Frau Alkateeb, dass sie eine Anerkennung ihres Berufsabschlusses benötigt, um in der Grundschule als Lehrerin arbeiten zu können. Dazu wandte sie sich an die sogenannte Informations- und Beratungsstelle Anerkennung für Mittelthüringen (kurz: IBAT Mitte) – ein Projekt des bundesweiten Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“. Umgesetzt wird das Projekt durch das Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement (IBS) gGmbH in Erfurt. In einem ersten Gespräch wurde deutlich, dass die notwendige Anerkennung kaum möglich ist – sowohl aufgrund zu großer Unterschiede in den Ausbildungsinhalten als auch der geforderten Sprachkenntnisse auf Muttersprachniveau. „Ich bin Lehrerin von ganzem Herzen. Das ist meine Berufung und so war für mich klar, ich möchte alles tun, um weiterhin mit Kindern arbeiten zu dürfen“, stellt Alkateeb rückblickend fest.

Alternativen finden

Manaf Alkateeb arbeitete beharrlich an der Verbesserung ihrer Deutschsprachkenntnisse und suchte mit ihrer Anerkennungsberaterin Anne Friedemann nach alternativen Wegen in die Beschäftigung als pädagogische Fachkraft. „In Thüringen wurde erkannt, dass es für ausgebildete Grundschullehrer*innen aus dem Ausland kaum Chancen auf einen Berufseinstieg gibt. Eine Sonderregelung ermöglicht es ihnen, einen Antrag auf eine Anerkennung als Erzieher*in für den Schulhort zu stellen“, erklärt Friedemann.
Mit Unterstützung der IBAT stellte Alkateeb den Antrag auf Anerkennung. Sie erhielt die Auflage, ein mindestens dreimonatiges Praktikum in einem Thüringer Schulhort zu absolvieren. „Ich war sehr aufgeregt und wollte diese Chance unbedingt nutzen. Deshalb habe ich Hilfe gesucht. Ich wollte mich gut vorbereiten“. Von Mitte 2019 bis Frühjahr 2020 besuchte sie daher den Anpassungslehrgang „Erzieherinnen, Erzieher und pädagogische Fachkräfte für Thüringen“ des IQ Netzwerks Thüringen, der durch die IBS gGmbH umgesetzt wird.

Endlich das Ziel erreicht

Mitte 2020 erteilte das Thüringer Landesverwaltungsamt schließlich die Berufszulassung als „staatlich anerkannte Erzieherin für den Schulhort“. Kurz darauf wurde Alkateeb in der Grundschule, in der sie bereits während der Praktikumszeit ein Teil des Kollegiums wurde, als Hortnerin angestellt. Noch heute ist sie stolz, wenn sie daran denkt, was sie geschafft hat: „Ich bin endlich angekommen und fühle mich im doppelten Sinne anerkannt – als pädagogische Fachkraft in einer Arbeit, die ich so sehr liebe, und als Teil der Gemeinschaft. Endlich kann ich wieder selbstbestimmt leben. Das bedeutet mir sehr viel.“ Der Weg dahin war lang.

 

*Name geändert.


 

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