Abschlussbericht 'Befragung zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Thüringen'

Abschlussbericht 'Befragung zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Thüringen' veröffentlicht

Inwieweit Thüringer Unternehmen bereit sind, Geflüchtete zu beschäftigen und welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben, untersuchte die dreijährige 'Befragung zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Thüringen'. Der nunmehr veröffentlichte Abschlussbericht stellt die zentralen Ergebnisse vor und zieht eine Gesamtbilanz.

 

Geflüchtete haben Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema 'Betriebliche Integration von Geflüchteten' die Unternehmen bewegt. Die wachsende Anzahl an Unternehmen, die Geflüchtete beschäftigen, ist ein Indiz dafür. Denn sowohl das Verantwortungsbewusstsein als auch die Bereitschaft, Geflüchtete im Unternehmen einzustellen, sind im Befragungszeitraum immer hoch geblieben.

Die Erfahrungen der Unternehmen sind dabei aber auch durchaus ambivalent. Unternehmen, die Geflüchtete beschäftigen, betonen zum einen positiv die Motivation, Pünktlichkeit, Eingliederung und die dadurch gewonnene Vielfalt im Unternehmen. Zum anderen sind sie aber häufig auch mit der sprachlichen und fachlichen Qualifikation unzufrieden. Das stellt sie vor große Herausforderungen, denen sie mit eigenem Engagement durch zahlreiche Unterstützungsleistungen entgegenzutreten versuchen. Dies zehrt jedoch oftmals an den zeitlichen und finanziellen Ressourcen, so dass vor allem kleine Unternehmen an ihre Grenzen stoßen.

Neben der Unterstützung beim Spracherwerb stehen praxisnahe berufsbegleitende fachliche Qualifizierungen im Fokus der Unternehmen. In diesem Zusammenhang bedarf es zudem eines Ausbaus von Kompetenzfeststellungsverfahren, die ausländische fachliche Kompetenzen transparent machen.

Darüber hinaus lässt sich feststellen, dass Unternehmen in ländlich geprägten Regionen Schwierigkeiten haben, Geflüchtete überhaupt zu finden. Keine Bewerbungen oder eine erfolglose Ansprache von Geflüchteten sind deutliche Anzeichen dafür. In diesen Regionen gilt es vorhandene Angebote und Vernetzungsstrukturen zu verbessern, die die Wirtschaft gezielt einbezieht sowie Lösungen für mehr Mobilität im ländlichen Raum zu finden, damit das Matching besser gelingt.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Thüringen immer mehr Fahrt aufnimmt, jedoch nach wie vor deutliche Baustellen bestehen, an denen die Politik, Initiativen, Unternehmen, Bildungsträger und weitere Akteure künftig konsequent weiter arbeiten müssen. Dies beinhaltet neben der erwähnten Erweiterung sprachlicher und fachlicher Qualifizierung vor allem auch den Abbau von Bürokratie, die Schaffung von Rechtssicherheit und die Gestaltung von Willkommenskultur.

Die 'Befragung zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Thüringen' wurde im Zeitraum 2016 bis 2018 jährlich durch die IQ Servicestelle Vielfalt_unternehmen durchgeführt. Dabei wurden 1.500 Thüringer Unternehmen pro Jahr mittels eines standardisierten Fragebogens postalisch befragt. In 2016 lag die Rücklaufquote bei 16,5 % (247 Fragebögen), in 2017 bei 10,6 % (159 Fragebögen) und in 2018 bei 12,7 % (190 Fragebögen).

Hinsichtlich der Unternehmensstichprobe - die in allen Befragungsjahren weitestgehend identisch war - wurde darauf geachtet, möglichst alle Wirtschaftsbranchen, Betriebsgrößenklassen sowie Thüringer Landkreise und kreisfreie Städte abzubilden. Allerdings spiegelt der Verteiler, die tatsächliche Thüringer Wirtschaftsstruktur- und -verteilung nicht wider. Zudem handelt es sich nicht um eine Zufallsstichprobe. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, lassen jedoch einen Trend erkennen, der die o. g. Akteure sowie interessierte Dritte zur gemeinsamen Diskussion und Gestaltung anregen soll. Die Befragungsergebnisse wurden am 14. September 2018 der Fachöffentlichkeit vorgestellt. In einer Podiumsdiskussion diskutierten Thüringer Unternehmer mit den beteiligten Akteuren die Ergebnisse.

Den Abschlussbericht mit der ausführlichen Ergebnisdarstellung sowie den methodischen Hinweisen zur Befragung finden Sie hier.

Kontakt

Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V.

Steinweg 24

07743 Jena

Tel.: 03641 63 75 94

Mail: Holzner@bwtw.de